Weihnachten – Christmas
Dezember 26, 2008
As Jenna and I did not have the possibility to get a cheap flight to the US early enough we have decided to stay in Berlin with Emma’s family. So now we have a great “Gans mit Rotkohl und Klössen” christmas day outside Berlin in a small cottage at a lake. I thought it must have been snow here at christmas time, but it’s gray, rainy and a “holy shit November” whether…
… und irgendwie ist es gar nicht weihnachtlich in diesem Jahr. Trotz Gans, Rotkohl und Klössen – das war bestimmt Emmas Idee, hierher zu kommen in diese triste Einöde – wenn ich nur in Joãos Gesicht sehe, er scheint irgendwie nicht gerade begeistert, aber schmecken …
… it is so delicious. I like the German traditions. Sure, it is kind of “spiessig” – I love this expression – but anyway special and familiar. This “Weihnachts-Gans-Essen” reminds me of our Thanksgiving turkey, and for me it’s a quantum of solice that we have this cute christmas lunch as Josh and I are not with our parents this year. And Emma’s brother Patrice is …
… ich bin begeistert – von dem Festmahl und von Jenna. Es ist erst das zweite Mal, dass wir uns sehen, aber schon als Emma und Josh diese bezaubernde Dame mit in “mein” Restaurant gebracht haben, war ich entflammt. Wie witzig sie ist – und diese Augen …
… so sweet. His eyes are …
… wunderbar. Ich bin so glücklich, dass Josh und ich in diesem Jahr Weihnachten einmal zusammen sind. Überhaupt sind wir in diesem Jahr eine große Runde, Papa gefällt das wohl, er strahlt über das ganze Gesicht …
… ach wie herrlich es ist. Meine Töchter, mein Sohn – alle sind sie sie hier. Wenn Elisabeth das noch erleben könnte. Es wäre ihr größtes Glück gewesen, alle zusammen an einem Tisch, die Kinder mit Partnern, Weihnachten …
… has a strange taste. In Portugal we don’t eat anything like “Klösse”. The only thing that is quite similar is that the German and Portuguese food is not “lite” at all. Generally I like Christmas but this year …
… ist mir nicht feierlich zumute. Wenn ich doch nur …
… need definitely a walk around the pond. I’m so curious …
… was wohl im nächsten Jahr passieren wird? Es verspricht ein großartiges Jahr zu werden. Ich freu mich …
… darauf!
____________________________________
Lisa, sad
August 31, 2007
Aufatmen, umdrehen, Bauchschmerzen. Tage wie dieser versprechen nur Böses, beschwören die Biester in Dir. Bestrumpft auf die Straße gerannt, dabei die Milch auf dem Küchentisch umgestossen, nur um den Postboten einzuholen. Der Asphalt ist nass, die Socken durchweicht in Sekunden. Hat auch nichts gebracht dem Mann auf dem gelben Rad hinterherzulaufen, er ist schon vor einer Weile um die Ecke gebogen. Die Wohnungstür ist ins Schloß gefallen, ich muss bei meiner Nachbarin, die geschwätzig wie eine Elster ist, klingeln und um den Notschlüssel bitten. Heute ist wirklich ein giftgelber Gallentag, ätzend wie Magensäure, verwirrend wie Alkohol.
Kein Brief für mich, keine Karte mit befremdlichem Weihnachtskitschmotiv, keine elektronische Nachricht in meinem E-Mail-Posteingang, keine Kurzmitteilung auf meinem Mobiltelefon, nur Stille um mich herum. Er ist stumm, die Stille lastet schwer auf meinem verwundeten und zweigespaltenen Herz und sagt mehr als 1000 Worte, die er laut an mich richten könnte.
•
Breath, turn, bellyache. Days like these are only evil ones, they bring out demons. Running barefoot with socks on the street, overthrowing the breakfast milk, just to catch up the postman. The asphalt is slippy, my socks are totally wet within seconds. It doesn‘t make any sense to run behind the man with the yellow bike as he has turned through the edge a while ago. My flat‘s door is closed, I need to ring up my neighbour (she‘s chatty like a parrot) to ask her for the „emergency key“. Today it‘s a really black day for me, acidly and wired like alcohol.
No mail for me, no postcard with a strange christmas-feeling-image, no message in my email inbox, no sms on my cell phone. Just stillness around me. He is silent, his silence makes it deep for my hurt and with two columns heart. And it makes me more blue than getting a 1000 loud words from him.
____________________________________
Emma, IU
August 30, 2007
Ich sollte Jenna anrufen und sie fragen, ob sie Lust hat, mit mir und Josh essen zu gehen. Patrice hat eine neue Anstellung, heute gibt es ein Menu Surprise und ich weiß, wie gerne Jenna außergewöhnliche Gerichte probiert.
Josh und ich sind uns jetzt wieder näher, nein, nicht näher, wir sind uns ganz nah. Weißt Du, dass ich das noch nie so hatte? Dieses Gefühl der Sehnsucht, wenn Du nicht bei mir bist. Ich denke an Dich und bin erfüllt von jeder einzelnen Zelle, aus der Du gebaut bist. Du bist in mir, Dein Lächeln taucht auf, wenn mich jemand anlächelt, Deine manchmal karibikblauen Augen (sie sind zuweilen auch sanft nebelgrau , wasserhell oder türkissteinfarben) strahlen mich an, wann immer ich meine Augen schließe. Deine Hände, ich liebe die Bewegungen Deiner Finger, Deine Gesten, Deine Faust. Den Duft an Deinem Hals, an Deiner Wange, überall. Und ist Dein Geruch mitunter auch schwer zu erahnen, wenn ich in der Großstadt unterwegs bin, trotzdem fliegt eines Deiner Moleküle an mir vorbei, streift eine Ahnung meine Nase. Wenn ich an Dich denke, ist alles leichter, besser, strahlender, und ich gehe glücklich durch die Welt.
Ob die jüdischen KZ-Insassen, die auseinander gerissenen Paare, Eltern und Kinder, wenigstens noch einen winzigen Trost durch ihre innere Verbundenheit verspüren konnten? Bei diesem unvorstellbar schrecklichen Leid, das die NS-Opfer erlebten, kann ich kaum hoffen, dass es so gewesen ist. Ich habe vor ein paar Tagen erst mit Trude mein erstes Interview geführt und sie erzählte mir …
•
I should call Jenna and ask her to join Josh and me to dinner this evening. Patrice has a new job and today he’s cooking a surprise menu just for us. I know that Jenna loves extraordinary dishes.
Josh and I have got closer again, no, not only closer but entirely close. Do you know that I never had this before? This feeling of yearning for you when we’re not together. I think about you and I feel every of your cells making you the person you are. You are part of me, your smile pops up when someone is smiling at me, your caribic blue eyes (sometimes they are also grey like a gentle fog in the morning, bright like water in the sun or turquoise like a jewel) shine on me whenever I close my eyes. Your hands, I love your fingers’ moves, your gestures, your fists. The smell of your neck and your cheek is everywhere. Even if I can sense your flavor in the city’s air I feel your molecules flying around me, my nose finds your smell out of all others. When I think about you, everything seems to be easier, better, brighter, and I’m going through the world as the happiest person.
Did the jewish KZ-inmates, all the dismembered couples and families, parents and children derive just a bit comfort from feeling their inner connections? Unfortunately I have no hope that they had this feelings as it was the most unconceivable harm a human being has ever to experience. Just a few days ago I had my first interview with Trude and she told me …
____________________________________
Jenna, PS
August 30, 2007
Afternoon: have you ever seen a muscle car driven by 3 ladies who chase a man? I’ve just stumbled across the new Tarantino movie trailer – GREAT stuff! I must watch this film!
Tough girls, fast cars! What a hot relationship! All my female friends like “Death Proof” much more than the boys do. Although there is a white 1970 Dodge Challenger or the black bastard chevy of stuntman Mike aka Kurt Russel. “New York Taxi” is also a nice women-car-movie. I really love the idea to buy a good old American muscle car for cruising around and have some fun …
•
Nachmittags: Hast Du schon jemals gesehen, dass ein von 3 Frauen gesteuertes Muscle-Car einen Mann verfolgt? Bin bei meiner Fernsehglotzerei gerade auf den neuesten Tarantino gestossen. Den muss ich mir ansehen!
Starke Frauen und schnelle Autos! Was für eine Kombination. “Death Proof” gefällt meinen Freundinnen deutlich besser als den Jungs, die ich so kenne. Trotz weißem Dodge Challenger oder dem schwarzen Assi-Chevy von Stuntman Mike alias Kurt Russel. New York Taxi ist auch so ein netter Frauen-Auto-Film. Ich bin gerade regelrecht verliebt in den Gedanken, mir ein gutes altes Amerikanisches Muscle-Car anzuschaffen, um in der Gegend herumzufahren und eine Menge Spaß zu haben …
____________________________________
Sevtap, uh
August 29, 2007
Ich bin nicht mehr krank, macht ja auch Sinn, jetzt, wo das Wetter wieder schlecht ist (es regnet und ist kalt) gesund und munter zu sein. Mit Grippe im Bett bei über 30° im Schatten ist eine wahre Qual, wenn die innere mit der äußeren Hitze kollidiert ist man dem Wahnsinn nahe oder schon im Cennet? Scherz beiseite, ich schwitze (schon wieder ein Hitzewort!) über meiner Sommersemesterhausarbeit und halte zwischendrin meiner Freundin Lisa das Händchen. Liebeskummer ist ein banales Wort für das, was sie gerade durchmacht. Ich wünsche mir manchmal, dass ich nur ein kleines bisschen davon verstünde, aber ich habe mit diesen Gefühlsirrungen keine Erfahrung. Mein Bruder Cem wäre ihr in diesen Tagen wahrscheinlich ein bessere Freundin.
Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als Cem gleich drei Freundinnen auf einmal verloren hat – und um eine der drei, Lena, monatelang trauerte. Mein Brüderchen hat es aber auch faustdick hinter den Ohren: Da ist er mit Ayla schon fast ein halbes Jahr fest zusammen, als er Lena trifft, sich Hals über Kopf verliebt und auch mit ihr eine Beziehung anfängt. Ayla weiß nichts von Lena und Lena nichts von Ayla, das geht rund 4 Monate gut, dann fährt Cem in den Urlaub und lernt Louise, eine Französin, kennen. Er fängt mit ihr eine Affäre an. Zurück im heimischen Kreuzberg taucht ein paar Wochen später unvermittelt Louise auf und Cem sitzt in der Klemme. An dem Tag trifft Louise auf Ayla, als Cem mit ihr in einem Café sitzt und versucht, sie loszuwerden. Bevor Louise geht, erzählt sie Ayla im Beisein von Cem, was im Urlaub passiert ist. Zufällig fährt dann auch noch Lena mit dem Fahrrad vorbei und die Tragödie ist perfekt inszeniert – wie in einer Daily Soap.
Ich kann gar nicht verstehen …
•
I’m not sick anymore, makes sense to be in the pink now that we have bad weather again (it’s raining and it’s cold). Lying in bed with influenza when having over 30° outside is a real torture. When your inner heat collides with the outer one you will get crazy or are you in cennet then? Just kidding, I’m sweating (a hot word again!) while writing my thesis for this summer. And I’m there for my friend Lisa. Lovesickness is a small word compared to Lisa’s actual situation. Sometimes I wish that I would know anything about love but I have no clue about heart affairs. These days my brother Cem would be the better friend for her.
I remember the day well when Cem lost 3 girlfriends at the same time – and he was really sad about losing Lena, one of the three girls. My lovely brother is a sly old dog: he is together with Ayla more than 6 months when he meets Lena. He falls immediately in love with Lena and starts a relationship with her as well. Neither Ayla knows anything about Lena, nor Lena do so but everything is fine the next 4 months. In summer Cem meets a third girl, the French Louise, on his vacation and has a affair with her. Back in good old Kreuzberg Louise suddenly arrives a few weeks later and Cem is in big trouble. That day Ayla crosses Louise sitting in a café with Cem who tries to get rid of her. Before Louise leaves the place she tells Ayla about the affair. Coincidentally Lena comes across by bike and a perfect tragedy is running – like a daily soap.
I cannot understand …
____________________________________
Peter, oje
August 17, 2007
Mist, Mist, Mist. Gerade wo alles gut läuft, kommt sie und stellt mir ein Bein. Kaum dass sie in Erscheinung tritt, fällt mir nichts mehr ein, ich stottere, werde rot und meine Knie zittern. “Harter Rocker auf der Bühne ist ein Weichei”, das wäre die rechte Schlagzeile über mich. Und nicht nur das: Sie ist auch noch mit meinem Kumpel João liiert. Der hat ein Händchen für tolle Frauen, muss wohl an seinem portugiesischen Schmachtblick liegen. Aber eigentlich kann ich mich nicht beschweren: Als Musiker bist Du Honig. Und das weiß ich. Und genau das macht mich schwach. Ein Lügenbold ist der, der anderes in die Welt setzt. Sicherlich: Zuerst kommt die Musik, dann das weibliche Vergnügen. Aber wenn das Erste das Zweite einfangen kann, warum nicht? Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, und das Leben ist fantastisch. Nur: Muss es gerade die Freundin meines Freundes sein, die mich gerade so fasziniert? Da spielt irgendwie immer der Reiz des Nicht-Haben-Dürfens mit.
Ob ich Lisa …
•
Fuck, fuck, fuck. Everything was goin’ to be allright, there she comes and trips me up. As soon as she appears I’m not quite sure what to say, I stutter, I blush and my knees shake. “A hard rocker on stage is a wimp” – that must be my headline in the yellow press. But that’s not enough: she’s also together with my buddy João. He is a real womanizer, it seems to be his incredible portuguese eyes that enchant the girls. Anyway I’m not complaining at all: as a musician you’re sweet like honey, I know. And that’s why I’m weak. I would be liar if I say something different. Sure: first comes music second the girls. And the first catches the second, why not? You kill two birds with one stone and your life is gonna be fantastic! But why is the girlfriend of my friend fascinating me this time? Why is it so attractive to get the forbidden fruit?
Should I ask Lisa …
____________________________________
Patrice, hm
August 7, 2007
Ein neues Rezept gefunden zu haben ist, wie eine Wolke zu schmecken. Voller Spannung, Neugier und Glück, öffnet man den Mund, um den köstlichen ersten Bissen aufzunehmen. Fast rastlos bin auf der Suche nach neuen Gerichten, um den vermutlich ältesten Kontinent mit dem europäischen geschmacklich zu verschmelzen, und was ich bislang finden konnte, hat meine Gäste stets entzückt. “Wer eine Zunge hat, kann sich nicht verlaufen” sagt man im Senegal. Meine Zunge weist mir immer die richtige Richtung. Durch sie habe ich mich für das richtige Restaurant entschieden, durch sie finde ich neue Rezepte und neue Freunde. Meine Zunge hilft mir, Dinge zu sagen, für die ich keine Worte habe. Sie kreiert mein Leben, sie ist meine Leidenschaft.
Heute hatte ich glücklicherweise ein paar Minuten für Küchenexperimente. So habe ich ein einfaches Rezept aus meiner einen Heimat – dem Senegal – mit einem einfachen Rezept aus meiner anderen Heimat – Deutschland – zusammengebracht:
Man nehme 200 g Hirse, 400 ml Hühnerbrühe, 1 Lorbeerblatt (aus dem Garten), 10 g Butter, schwarzen Pfeffer, frisch gemahlen, Paprikapulver, edelsüß, Salz,
1 Bund Petersilie. Das sind die grundlegenden Zutaten zu denen ich …
•
To find a new recipe tastes like a cloud. Rife with expectation, curiosity and happiness you open your mouth to get the first delicious morsel. Nearly without a break I’m searching for new dishes to bring flavours of the probably oldest continent and the European countries together. Everything I’ve created is highly appreciated by my guests. In Senegal they say “the one who has a tongue cannot lose the way”. My tongue always shows me the right way to go. With it, I decided to choose the best restaurant, with it, I find new recipes and make new friends. My tongue helps me to say things without having the proper words. It is always with me, it is my passion.
Today – lucky me – I’ve had some minutes to experience while cooking. So I’ve combined a simple recipe from my first homeland – Senegal – with typical ingredients from my second homeland – Germany:
Take 200g sorghum, 400 ml chicken broth, 1 bay leaf (out of garden), 10g butter, kibbled black pepper, sweet pepper powder, salt, 1 bunch of parsley. With these elementary ingredients I …
____________________________________
Lisa, ko
Juli 22, 2007
Gestern bin ich aus dem Urlaub zurückgekommen, wir hatten die ganze Woche schlechtes Wetter, es schüttete wie aus Eimern. Baden ging also nicht, deshalb habe nur gelesen und viel nachgedacht. Sevtap ist dann auch noch krank geworden und liegt jetzt mit Grippe im Bett. Wenn sie wenigstens in der Lage gewesen wäre, gestern Abend mit zu dem Konzert zu kommen, dann hätte sie mich ablenken können. Ich wusste ja nicht, dass João gleich mit mir losziehen will, ich habe gedacht, gehofft, gewünscht, dass wir schön essen gehen, wenn ich wieder da bin. Anstatt Romantik gab es dann Konzert. Ein Freund von João, den ich noch nicht kannte, macht Musik, gut tanzbar, rockig. Und dann ist es wieder passiert:
Mich schmerzt diese Gier – der Tiger ist aus seinem Käfig ausgebrochen. Sinnlos streift er Unbekanntes, aber sehr Begierliches.
Ich schaue nach dem Anderen und setze meine Liebe aufs Spiel.
Chemie ist ein Schulfach einerseits und bezeichnet auch das, was ungeahnt-wissentlich im Raum zwischen uns schwebt.
Ohne seine Anwesenheit wird bald für mich diese Gier nach ihm aufhören. Hoffe ich, aber sicher das ist nicht.
Peter, warum …
•
Yesterday I came back from vacation, we had bad wether the whole week, it rained, rained, rained. As swimming wasn’t possible I read some books and thought about my life. Sevtap became sick and is now down with influenza. It would have been good for me if she was able to join me to the concert yesterday night – she would have distracted me. I didn’t know that João would like to go out with me last night, I thought, hoped, wished to wine and dine with my boyfriend when I’m back. Instead of romance a concert was waiting for me. A friend of João whom I haven’t noticed before is in a rock band who plays danceable music. And it has happened again:
The lust that is inside me hurts – the tiger has left his cage. Senseless it touches the unknown but desireable.
I look for the other and put my love on the line.
Chemistry is a school subject but stands also for the atmosphere that’s between him and me.
Without his presence the lust will disappear soon. I hope but I’m not sure.
Peter, why …
____________________________________
Hans, C1
Juli 7, 2007
Heute Morgen habe ich eine echte Dame bei meiner Tochter getroffen. Es sind manchmal seltsame Zufälle, die zu Begegnungen führen: Eigentlich wollte ich Emma heute nicht besuchen, aber sie hatte gestern in der Eile ihre Geldbörse bei mir liegen lassen. Also habe ich heute früh bei ihr vorbeigeschaut, und da saß die Dame in Emmas Wohnzimmer. Wir haben uns nur 5 Minuten unterhalten, wenige Worte und viel zu wenig Zeit, um sich kennen zu lernen. Und doch habe ich das Gefühl, dass es ein Band zwischen uns gibt, dass wir Puzzlestücke sind, die durch ihre gegensätzliche Prägung zusammenpassen.
Es ist das erste Mal seit Jahren, dass ich einer Dame begegne, die mich so berührt, bei der ich das Gefühl habe, dass wir nur zusammen ein Ganzes sein können. Genau genommen gab es dieses Gefühl nur zweimal in meinem Leben: Vor mehr als 4 Jahrzehnten habe ich Elisabeth getroffen, wir haben geheiratet und zwei wundervolle Töchter bekommen. Wir haben zusammengehört, waren eins. Als Elisabeth vor 4 Jahren gestorben ist, ist eine Hälfte von mir gegangen, die es so nie wieder geben wird.
Sicherlich, es gibt auch noch Marlene, ohne die ich nicht …
•
I’ve met a genuine lady at my daughter’s flat this morning. Sometimes you have this strange luck to meet someone special: actually I wouldn’t have met Emma today but she forgot her purse at my house yesterday. So I dropped over as I saw the lady sitting in Emma’s living room. We just talked about 5 minutes, a few words and not enough time to get to know each other. Although I have the feeling that there is something special between us, that we are some kind of puzzles which fit perfectly together caused by their contrariness.
It’s the first time since years that I come across a lady who touches my soul, with whom I have the feeling that only together we can be an integrated whole. To be honest I just had this feeling only two times in my life: 4 decades ago I met Elisabeth, we got married and 2 wonderful daughters. We were designed for each other. When Elisabeth died 4 years ago, one half of myself has faded away. This half will never come back again.
Sure there is also Marlene who plays an important role in my life. Without her I would not …
____________________________________
João, ok
Juli 4, 2007
Too hot, too cold, too wet, too dry, too early, mostly too late. The Germans have the weird habit to nag about everything. When I go to university by metro and listen what they are talking it’s normally about wether (that’s bad anyway) or that the train, the bus or the tram is too late. It’s never about their families, friends or lives. It’s only about feeling unsatisfied. And – it seems to be so – the Germans are unhappy anyway. Therefore they smile and laugh only very seldom.
My girlfriend Lisa is a good example: nearly every time when we meet she greets me with saying “Ah, there you are”, or she asks me how she should be dressed up “I don’t know what dress fits best to the actual wether”. The German’s affection is measured by time and wether.
Nevertheless the German girls have …
•
Zu heiß, zu kalt, zu nass, zu trocken, zu früh, meist zu spät. Die Deutschen haben die komische Angewohnheit, über alles zu meckern. Wenn ich mit der U-Bahn zur Uni fahre und höre, worüber sich die Leute unterhalten, dann geht es meistens um das Wetter (das immer irgendwie schlecht ist) oder darum, dass die Bahn oder der Bus oder die Straßenbahn zu spät gekommen ist. Es geht eigentlich nie um die Familie oder um Freunde oder was man so macht. Es geht um Befindlichkeiten. Und – wie es scheint – geht es den Deutschen schlecht. Deswegen lächeln und lachen sie auch so selten.
Meine Freundin Lisa zum Beispiel. Fast jedes Mal, wenn wir uns treffen, begrüßt sie mich mit “Da bist Du ja endlich” oder sie fragt mich, was sie anziehen soll “Bei dem Wetter weiß ich ja gar nicht, was passend ist”. Zeit und Wetter messen den Gemütszustand der Deutschen.
Und trotzdem haben die deutschen Frauen …
____________________________________
Trude, 1C
Juli 3, 2007
Ich habe mich heute mit dieser jungen Journalistin für einen Interviewtermin verabredet. Es ist seltsam, dass ich so aufgeregt bin. Früher habe ich doch selbst das Gespräch geführt, ich war gut und habe die kritischen Fragen immer zur rechten Zeit gestellt. Vielleicht ist es auch gar nicht das Interview, das mich irritiert. Nein, ich glaube fast, es muss das Thema sein.
Um “Grenzgänger” ginge es ihr, hat Emma gesagt. Um Menschen, die räumliche wie auch ihre inneren Grenzen überwunden haben, um zu leben, wie sie leben. Sie wolle mich zu meinen Erlebnissen damals befragen, hat sie am Telefon gesagt. Immerhin, Emma weiß eine ganze Menge über das, was ich geschrieben habe in meiner Zeit als Reporterin. Ich finde es wunderbar, wenn die Leute der jüngeren Generation nicht vergessen, dass ihre Vergangenheit über den Tag ihrer Geburt hinaus geht. Das ist das, was mir geholfen hat, meine inneren Grenzen zu überwinden und an einem Ort zu bleiben, den zu verlassen es mich gedrängt hat.
Was kann ich Emma erzählen? Meine erste Erinnerung …
•
This joung journalist has arranged to meet me for an interview. It is an odd thing that I am so excited. In the past I lead the talk, I was really good in my job and asked the critical questions to the right time. Maybe it is not the interview that is irritating me. No, to be honest, it must be the topic.
Emma told me that she would like to talk about “border crossers”, about humans who get over spatial and their inner limits to live how they live. She would like to ask me about my life experiences when I was a young girl. Anyway Emma knows a lot about the things I wrote when I was a reporter. I think it is wonderful when people of the younger generations do not forget that their past does not end with their birth date. That is the thing that has helped me to overcome my inner limits and stay at a place that I would have left behind me.
What can I tell Emma? Well, my first memory …
____________________________________
Emma, PR
Juni 25, 2007
Fast 6 Wochen ist es her, dass ich Josh gesehen habe. Ich weiß gar nicht mehr, wie er aussieht. Eigentlich sollte er seit gestern wieder da sein, aber ich habe ihn nicht erreichen können. Ob er an mich denkt? Wir telefonieren ja oft, eigentlich mehrmals täglich, wenn wir unterwegs sind. Es gibt kommunikative Brüche, wenn wir räumlich nicht mehr getrennt sind. Also ist er doch schon da, wie ich vermutet habe?
Seit wir zusammen sind, haben wir weniger Zeit miteinander verbracht. Davor war alles enger, näher, deutlicher. Seit dieser Zeit habe ich auch kein Bild mehr von Josh. Ich habe ihn lieber in meinem Kopf. Ich sehe täglich so viele Bilder, dass ich die wirklich wichtigen in meinen Gedanken archiviere. Dort bleiben sie lebendiger. So verliere ich Josh nicht. Aber wenn wir uns eine Weile nicht gesehen haben und er kommt zurück, ist sein Bild zeitweise wie ausgelöscht.
Ich sollte Jenna anrufen und sie fragen …
•
It’s about 6 weeks ago that I’ve met Josh. Actually I don’t know how he is looking like. Well since yesterday he should be back but I couldn’t reach him by his mobile. Is he thinking about me? We call each other more than once a day when being on our travels. But there are some communicative breaks when we are closer together or in one area. Is he here as I have assumed?
Since we are together we’ve spent less time together. Before we were closer, clearer. Since that time I do not have any photo of Josh. I prefer to have him in mind. I see so many pictures every day that I file the important ones in my mind so that they stay livelier. And I won’t loose Josh. But – after not seeing him a while and when he’s coming back – his picture is sometimes like blowed out.
I should call Jenna to ask her …
____________________________________
Josh, PC
Juni 24, 2007
I am back, it’s the first day since six weeks that I have a day off. After working so hard and without a break I just want to stay home, doin’ nothing. I know that I should call Emma immediately but I need some minutes for myself. She’ll understand it, sure. We are together since 2 years and 3/5 months. Sure I love her, but it’s good to have my own space from time to time. Even if we share our lives we don’t want to share a flat necessarily. And she is a journalist that’s a plus too. So I have my little travels with the company and she has hers.
Phone is ringing. I don’t care at the moment. I just want to do nothing. Oh, I repeat myself. How boring. It’s like thinking about the last weeks with my customers – I cannot remember exactly when I met whom and where. It seems to be that every day was the same like in “groundhog day”. Oh, I love this film. Bill Murray is one of the greatest. And, it’s a good metapher to our daily work: it really seems to be repeated every day. Projects, meetings, writing emails and concepts, presentations, deadlines. No variety at all. Maybe I should think about changing my job to have some job variation. This could help to avoid uniformity for a while.
Hm, what about the idea to …
•
Ich bin zurück, es ist der erste Tag seit 6 Wochen, an dem ich frei habe. Nach dem Stress (und das ohne Pause) brauche ich jetzt erstmal meine Ruhe. Ich will einfach nur zu hause sein und nichts machen. Ich weiß, ich sollte Emma gleich anrufen, aber ich brauche erstmal ein paar Minuten für mich alleine. Sie wird es sicherlich verstehen. Wir sind jetzt 2 Jahre und 3,5 Monate zusammen. Sicher, ich liebe sie, andererseits tut es mir doch gut, wenn ich meinen Raum für mich habe. Auch wenn wir unser Leben teilen, wollen wir nicht unbedingt eine gemeinsame Wohnung beziehen. Und sie ist Journalistin, das ist ein weiterer Pluspunkt. So habe ich meine kleinen Geschäftsreisen und sie die ihren.
Das Telefon klingelt, aber das interessiert mich gerade nicht. Ich möchte einfach nichts machen. Oje, ich wiederhole mich. Wie langweilig. Es ist irgendwie wie in den letzten Wochen bei meinen Kunden – ich kann mich nicht genau daran erinnern, wann ich wen wo getroffen habe. Es hatte etwas von “Und täglich grüßt das Murmeltier”. Oh, ich liebe diesen Film. Bill Murray ist einer der Besten. Und es ist eine großartige Metapher auf unsere tägliche Arbeit: Es scheint sich tatsächlich alles jeden Tag auf ähnliche Weise zu wiederholen. Projekte, Besprechungen, Emails schreiben und Konzepte entwerfen, Präsentationen, Abgabefristen. Keine echte Abwechslung. Vielleicht sollte ich darüber nachdenken, meine Tätigkeit zu wechseln, um etwas Schwung in die Sache zu bringen. Das könnte mir helfen, die Eintönigkeit für eine Weile zu vergessen.
Hm, wie sieht es mit der Idee aus …
____________________________________
Jenna, TV
Juni 15, 2007
Tv observers’ day. Wake up at 06:00 and realize that I’ve to spot check German talkshows again. Terrible. The third week I need to watch such a crap. Indeed the quality isn’t better in America. Although it’s different. German talk shows are more negative, people complain but without any comprehensible reason. Sure, Americans talk also about love, sex and crime but it’s more optimistic.
Get up girl, drink a coffee, start the day. That’s how to speed up yourself. Even if I’m confronted with the German “tristesse” I love to live here. Maybe it’s the special taste of Berlin that keep my head up. German television couldn’t be the reason for staying here anyway.
Afternoon: have you ever seen a …
•
Heute: Fernsehbeobachtung. 06:00 Uhr, ich bin wach und weiß, dass ich wieder deutsche Talkshows ansehen muss. Schrecklich. Die dritte Woche, in der ich mir so einen Müll antun muss. Sicherlich, die Qualität des Gezeigten ist nicht schlechter als das, was es in USA zu sehen gibt. Trotzdem ist es anders. Deutsche Talkshows sind im Grundtenor pessimistischer, Leute beschweren sich, auch wenn es keinen Grund dafür gibt. Klar, Amerikaner reden auch über Liebe, Sex und Verbrechen, aber irgendwie fröhlicher.
Steh auf, nimm Dir einen Kaffee, Mädchen. Dann kommst Du auch auf Touren. Auch wenn ich mich gerade mit der deutschen “Tristesse” auseinandersetzen muss, finde ich es toll, hier zu sein. Vielleicht ist es das außergewöhnliche Flair Berlins, das mich reizt. Das deutsche Fernsehen jedenfalls ist kein Grund für mich hier zu bleiben.
Nachmittags: Hast Du schon jemals gesehen, dass ein …
____________________________________
Just to introduce – Nur zur Vorstellung
Hello and welcome to diary entries of 10 different characters: their lives are somehow interwoven although you will read their stories in 10 different writing styles, perspectives, colours. 5 men and 5 women will share their Life Minutes with you – nearly every day.
Be seer be here.
Hallo und willkommen zu Tagebucheinträgen von 10 verschiedenen Personen: Die Leben der Protagonisten sind irgendwie miteinander verwoben, obwohl Du ihre Geschichten in 10 verschiedenen Schreibtypen, Sichtweisen, Farbdimensionen erleben wirst. 5 Männer und 5 Frauen teilen ihre Life Minutes (Lebensminuten) mit Dir – fast an jedem Tag.
Für lesende Lebende.
