Es klingelt an der Tür, durch den Spion lässt sich schemenhaft eine männliche Gestalt im Halbdunkel des Flurs erkennen. Ein zörgerlicher Griff zur Klinke, ein Innehalten. Ist das Tor erst geöffnet, kann nichts mehr geändert werden (wollen).
Es klingelt erneut, mit mehr Nachdruck wie es scheint. Die Person im Spion bewegt sich ein winzig kleines Stück Richtung rechts. Was tun? Warten, bis der Fremde fortgeht? Die Neugier macht sich breit, will wissen, wer das ist und warum. Die Angst spielt mit der Ungewissheit, der Bauch spricht mit dem Kopf. Was tun, erneut?
Der Mann will nicht gehen. Klopft, hämmert schließlich, will hinein. Reinkommen, in die gute Stube, warm erleuchtet, heimatversprechend und weit weg von der kalten Dämmerung des langen Draussenflurs.
Die Tür springt auf. Stumm steht der ungeladende Gast vor der offenen Wohnung, kann nichts erkennen, geblendet durch das sanfte Licht, dass die Dunkeleit außerhalb in kleine Schnipsel zerschneidet und in zarten Flocken auf dem Boden verglimmen lässt.
Wer bist Du?
Fragen sich die gegenüber Stehenden.
Was dringst Du ein hier, was lässt Du mich warten dort?
Kein Wort, lautlos geht Er da draussen in das drinnen zu Ihr. Das Schloß schnappt zu, lässt Pechschwarz irgendwo hinter sich. Zwei stehen da, sind sich nicht sicher, was gesagt werden soll.
Er denkt
Was tue ich hier, ich kenne Dich nicht?
Sie schweigt
Was willst Du hier, ich kenne Dich nicht?
Zaghaft hebt Er die Hand zum Gruß. Den Sie mit schlehenfarbenem Blick erwidert.
“Wir kennen uns, oder?”
Hier ist Helligkeit, die keine Sprache zulässt. Nichts kann den Moment stören, nichts ist da, was die Beiden ganz zusammen- oder gar auseinanderbringen könnte.
“Ich bin so sicher, dass wir uns kennen.”
Das Licht wird milchig, getrübt durch dunkelgraue Schleiher, die der Flur auf es wirft. Die Tür klappt auf und zu. Es ist vorbei, Er ist fort, Sie ist dort.
“Wir haben uns gekannt. Fremd bist Du gewesen, dann warst mir nah in einem Augenblick, jetzt bist Du wieder fort und unbekannt wie je zuvor.”
