Auslese

Cœur de l’été

Wie still es ist.
Zartleise und Bitterweich.
An der Tür zum Sommer.
So still. Um mich herum.

Wie heiß es ist.
Süßweiß und Goldglühend.
An der Schwelle zum Hochsommer.
So heiß. Um uns herum.

Wie es hier jetzt ist.
Anders als zuvor.
Ein bisschen leergefühlt vielleicht.
So ist es hier jetzt.
Um mich herum.

Wie es wohl dort ist?
Anders als hier.
Ein bisschen einsam vielleicht.
So ist es dort jetzt.
Um uns herum.

Frühsommer ist vorbei.
Zu rasch vorüber gegangen.
Hochsommer kommt jetzt.
Die Nächte werden hitziger.
Schlaflos.

Frühling war Sommer.
Zu wenig laue Temperaturen.
Mittsommer steht an.
Die Nächte werden heller.
Traumlos.

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Auslese

Unvollendet, Winter im Sommer

Eine Schneeschnuppe fällt auf meine Hand. Es ist Sommer, aber ich stehe zwischen kristallinen Eiszapfen, zitternd und wünschte, die Sonne wärmte kräftiger. 5.342 Meter hoch, ein Gletscher, der im gleissenden Licht perlt, ich habe auf dem Weg hierher alles hinter mir gelassen, was heiß gewesen ist. Ich recke mein kaltverbranntes Gesicht in den Himmel, will schreien, aber weißer Atemrauch kommt aus meinem Mund, fließt in die Luft um mich herum und produziert wolkige Stille.

Vor zwei Wochen war alles wie immer. Ich hatte mich mit Sina getroffen, wie immer dienstags in der Orangerie im großen Park am Mittenrand der Stadt. Wir haben auf der Bank gesessen, Kirschkerne in hohem Bogen in den kleinen Teich gespuckt, dazwischen lustigsinnlose Worte geplappert, und das Glück hat uns den Nachmittag versilbert. Die Parkbank war unser zuhause für die eine Stunde, die wir uns in jeder Woche gesehen haben. Zum ersten Mal übrigens an einem klaren Tag Anfang März.
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