Hasard100

Linolsäure

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Maiskeimöl. Zäh fließt der goldgelbe Saft über frischgrünes Salatblatt, gleitet hinunter bis zur fruchtigroten Tomatenscheibe und tropft schließlich auf orangezarte Möhrenraspel am Grund der weißgläsernen Schüssel.

Er soll gesünder leben, weniger Fleisch, mehr Gemüse und ungesättigte Fettsäuren. Deshalb der Salat, der ihm nicht schmeckt. Er versucht es mit Poesie. Klappt aber nicht wirklich.

Vielleicht hilft die Chemie? Er schaut der Strukturformel der Linolsäure hinterher. Seine Augen folgen der Linie vom O über das OH bis zum CH. Dort angekommen, ist die Salatschüssel leer.

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Auslese

Cœur de l’été

Wie still es ist.
Zartleise und Bitterweich.
An der Tür zum Sommer.
So still. Um mich herum.

Wie heiß es ist.
Süßweiß und Goldglühend.
An der Schwelle zum Hochsommer.
So heiß. Um uns herum.

Wie es hier jetzt ist.
Anders als zuvor.
Ein bisschen leergefühlt vielleicht.
So ist es hier jetzt.
Um mich herum.

Wie es wohl dort ist?
Anders als hier.
Ein bisschen einsam vielleicht.
So ist es dort jetzt.
Um uns herum.

Frühsommer ist vorbei.
Zu rasch vorüber gegangen.
Hochsommer kommt jetzt.
Die Nächte werden hitziger.
Schlaflos.

Frühling war Sommer.
Zu wenig laue Temperaturen.
Mittsommer steht an.
Die Nächte werden heller.
Traumlos.

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Auslese

Brust, weiblich

Praktikabel in der Verwendung, formschönes Design und mitunter hinreizend emotional.

Einsetzbar als:
°Bonboniere
°Nahrungsaufnahmequelle
°Trostpflaster
°Hinschauer
°Ablenker
°Lichtstrahl
°Schultertaschenentlaster
°Spielplatzersatz
°Wärmkissen
°Muse
°Wunscherfüllerin
°Ablenkungsmanöver
°Nippe|l|s
°Geschichtsschreiberin
°Stilikone
°Provokateurin
°Gelegenheitsgeschenk
°Ballsportart
°Zwilling
°Goldgrube
°Streich|el|konzert
°Kuscheltier
°Wundertüte
°Lockmittel
°Philosophie

Was noch?

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Sortenreichtum

Anderssommerliebe

Nicht so schüchtern. Sagt Er zu Ihr.
Sie senkt den Blick, einen Bruchteil nur, dann schlägt Sie die Augen auf.
Schön wäre es. Sagt Sie zu Ihm.
Sie liegen im lichtergrünen Gras, sonnenbeschienen und himmelblau, Er pflückt eine weiße Lindenpolle aus Ihrer glänzendbraunenen Haarsträhne und reicht Ihr eine dottergelbe Butterblume.

Für Dich würde ich alle Wiesenblumen der Welt einmal sammeln. Sagt Er zu Ihr.
Sie schnuppert an dem Blütenkelch, ein paar Nanosekunden nur, dann streichen Ihre Fingerkuppen über Grashalme.
Es duftet so gut überall. Sagt Sie zu ihm.
Sie sitzen im saftiggrünen Gras, sommerlich warm und laublau, Er fängt einen roten Dreipunkt-Marienkäfer und setzt ihn auf Ihre bronzefarbene Hand.
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Auslese

Weißt Du, wenn es kalt ist?

Weißt du, wenn es kalt ist?

Weißt du, wenn es kalt ist, ist es stets eine Sache mit Dir innenaußen: Der Körper so verletzlich, weil eisig, weil gefroren, weil der Kopf gestoppt und die Gefühle nicht mehr laufen.

Weißt du, wenn es kalt ist, ist es stets eine Sache mit allem Draußeninnen: Die Luft ganz klar, weil durchsichtig, weil trocken, weil die Haut gekräuselt ist und die Gedanken erstarrt jucken.

Kälte eishaucht und klärt und nun ja, ganz nun ja: Weißt wer Du bist, zwischen all den Schollen, frierst darin und bist. Bist eins mit der Materie, spürst Dich mehr, weil es Dir unglaublich scheint, aber es so einige Hitzemomente gibt. Weil es so viele unterkühlte Kaltaugenblicke gibt.
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Auslese

Weißt Du, wenn es heiß ist?

Weißt du, wenn es heiß ist?

Weißt du, wenn es heiß ist, ist es stets eine Sache mit Dir selbst: Der Körper so nah, weil klebrig, weil nass, weil der Kopf spinnt und die Gefühle irre laufen.

Weißt du, wenn es heiß ist, ist es stets eine Sache mit allem Draußen: Die Luft ganz nah, weil stetig, weil feucht, weil der Schweiß rinnt und die Gedanken wirr raufen.

Hitze verwirrt und klärt und eigentlich, ganz eigentlich: Weißt wer Du bist, zwischen all der Suppe, schwimmst darin und bist. Bist eins mit dem Leben, merkst Dich mehr, weil es Dir unerträglich scheint, aber es so einige Kühlungsmomente gibt. Weil es so viele überscharfe Hitzaugenblicke gibt.
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Auslese

Schenk mir Honig

An einem Tag wie diesem, irgendeinem also, habe ich Deine türkisfarbenen eisblauen karamellbraunen Augen entdeckt. Ein Schluck Liebe rann durch mein Herz, sofern es noch schlug, ich weiß es nicht mehr zusagen. Bonbonsüßes Geplapper gabst Du von Dir, wohl um mich zu umgarnen, war aber nicht ich die Spinne und Du der Schmetterling, der sich in klebrigen Fäden meines Netzes verflattert hatte? Ich glaubte Dir, wußte ich aber doch, dass nur alles glänzt, nichts aber echt ist, und viel davon in Zukunft nicht bestehen bleiben kann.
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