Auslese

Tulpendings

Jedes Jahr, wenn der März sich aus dem Winterpelz schält, kommen Tulpen. Überall präsent knospet diese Farbenpracht und will sich mit viel, viel Wasser in einer Vase entfalten. Und ich brauche es. Diese Blume, die so unersättlich nach dem Nass giert, um in voller Blüte zu stehen – ohne falschen Stolz, aber mit echtem Selbstbewusstsein. Die Tulpe, sie schreit geradezu danach, wahrgenommen zu werden und ist sich ihrer Symboltracht ganz und gar bewusst.

Also lege ich einen Strauss aus roten und weißen oder gelben und lilanen Tu Lips zusammen, bringe beide Sorten liebevoll in einem Glasgefäß zusammen, in noch geschlossenem Zustand. Doch am nächsten Morgen schon recken und strecken sich die Köpfchen gen Oben, sie wollen heraus, strotzen nur so vor Kraft und Ich-Zeig-Mich-Gerne. Auf die Bühne der Augenblicke, das ist das Ziel, eitel das pflanzliche Geschöpf und lieben muss man sie, die Blüte voll knallfrohem Lebens.
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