Sortenreichtum

Kiesel im Schuh

Auf dem Gehweg, etwa 1.000 Meter lang, Sonntagabend ist es, ca. 22:00 Uhr. Es ist kalt, mein Atem raucht. Es ist dunkel, Laternenlicht teilt meinen schemenhaften Schatten in zwei. Rechts und links läuft er vorbei an mir, wird länger, verschwindet, um dann wieder hinter mir aufzutauchen, rechts und links. Mein Schuhwerk klackert laut auf dem Asphalt, mein Blick ist gen Boden gesenkt, sucht den nächsten Anhaltspunkt, zum Beispiel ein Kaugummimal, ein ebenerdiges Graffiti, einen Bordstein, der den Quergang einer Straße markiert.

Es geht gut voran das Laufen, wenn ich mich an an Beppo, den Straßenkehrer halte. Der gesagt hat, dass ein Ziel nur dann in erreichbare Nähe rückt, wenn man sich auf den nächsten Besenstrich konzentriert und nicht auf die ganze Straße, die vor einem liegt. Ein guter Rat.

Ich sehe auf die Platten den Gehsteigs, rautenförmig angeordnet sind sie, eine folgt der nächsten. Ich könnte jetzt das alte Spiel spielen: Tritt nicht auf die Linien, sie sind tödlich. Aber zu kompliziert ist das für ein rasches Nachhausekommen, deshalb übe ich mich im schnellen Schritt ohne Einschränkungen. Bis …
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Sortenreichtum

° Betäubt °

Ein Besuch beim Dentisten löst bei den allermeisten Menschen ein Gefühl des Ungehagens bis hin zu unterträglichen Angstzuständen aus – und zwar schon zu dem Zeitpunkt, bei dem ein Termin vereinbart werden muss. Ich hingegen liebe es, zu meinem Zahnarzt zu gehen. Der vergnügliche Schauer, den mir eine solche Verpflichtung bereitet, hat sich bereits in frühster Kindheit in mir manifestiert. Dabei liegt meine Freude über jede Stunde, in der ich meinen Zahlheilkundler aufsuche, tatsächlich nicht in einer abseitigen erotischen Fantasie verborgen, mit der ich eine vebotene Lust zu stillen trachte. Nein, es ist die pure Neugier, die mich freiwillig in die Arme des Dentalmediziners treibt.
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