Auslese

Früher

Früher ist immer dann, wenn jetzt nicht gut ist.
Früher war alles besser.
Die Erinnerung. Sagt. Früher.
Weil früher immer besser war.
Wundervoller als das Jetzt.
Die Erinnerung. Trügt. Früher.
Früher ist eine Zeit, die nur im Kopf existiert.
Deswegen so biegbar, so formschön,
so immerwährend gut, besser, am besten.

Früher. War der Himmel blau und es schien die Sonne.
Früher. War der Griesbrei lau und die Kirschen Wonne.
Früher. War das Herz so frei und der Kopf so bunt.
Früher. War die Schönheit einerlei und das Ich ein Hund.

Früher ist. Immer dann. Wenn Jetzt. Schlecht ist.
Deshalb ist:
Früher. Stets ein Trost.
Ein Bonbon in rot und weiß, sahnig.
Zartschmelzend und ein Paradies.
Die Schokolade in den Gedanken.
Mit Vanilleschaum umwoben.
So wohlschmeckend und leicht.
Früher is/st was heute nicht sein darf.

Standard
Auslese

Kummer und Verzagtheit

Eine Reminiszenz an Melancholia von Lars von Trier

Ich denke mal. Zu viel davon. Zu viel im Kopf, fällt es in meinen Bauch das böse Gedankengut und macht mich schwach. Ein Strich bin ich, ganz dünn in einer flachen Welt, zweidimensional und ungefaltet. Sie dreht sich nicht, diese meine Welt. Nur in meinem Kopf ist alles in Bewegung, stets und ständig und immer nagend. Es macht schon fast keinen Unterschied mehr, ob Draussen Stillstand und Drinnen Aufruhr herrscht. Es mischt sich und dringt durch mich.

Ich denke mal. Zu viel auf einmal. Und es macht mich rasend und unruhig und zunehmend verwirrt. Gedankenfluten füllen meinen Bauch und es gibt keinen Platz mehr für Nahrung, die ich so dringend bräuchte, damit mein Körper sich nicht auflöst. Aber mein Magen bleibt unbewegt, der Schmerz schlägt den drängenden Hunger in die Flucht. Der Hunger, der so wichtig wäre, damit ich essen und mein Innen und Außen sich harmonisieren könnten.

Ich lebe auf einem Blatt, farblos und ganz ohne Konturen bin ich eine Zeichnung in grau, aus Bleistift geschaffen. Ich denke mal. Immer zu viel.

Standard
Weltsicht

Welt Weint

Die Tage werden um 1,8 Mikrosekunden kürzer, die Erdkugel rollt schneller. Zeit ist relativ, trotzdem ticken die Uhren anders und ein Jahr vergeht rascher. Zeit ist relativ, wenige Minuten nur haben einen Lauf der Lebensdinge verändert, andere Lebensdinge sind schon zuvor aus der Bahn geworfen worden – sukzessive und kontinuierlich durchdringt das Jenseits das Diesseits.

Es ist dunkel. Auf dieser Seite des Planeten. Und auf der anderen Seite. Die Elemente verrücken: Wasser schlingt, Feuer frisst, Erde tobt, Luft strahlt. So viel ist zersplittert oder kaputtgespült und es knallt, laut, grausam, unaufhörlich. Waffenschwere Atmosphäre beherrscht die Wüsten und den afrikanischen Kontinent, Hörspürbarschmerzliches und Unriechsichtfühlbares bringt Entsetzen und Tod auf die Insel der aufgehenden Sonne.
Weiterlesen

Standard