Sortenreichtum

{ Metaphermose } Eine Grille in den Kopf setzen

Zu einer Zeit, da die Schneeschmelze eingesetzt hatte, das Sonnenanlitz aus vollen Wolken lachte und die Schneeglöckchen hell erklangen, begab es sich, dass es einen Grillenhändler auf seiner Durchreise in das Elfenreich verschlug. Nun, das Elfenvolk liebte Grillen sehr, und jede Elfe hatte eine eigene Grille, deren zirpende Gesänge sie stets auf das Neue begeisterten.

Der Händler aber hatte ein besonders prachtvolles Exemplar dieser musikalischen Gattung mitgebracht, und die Grille sang die ganze Nacht hindurch betörend und eindrucksvoll, so dass eine der Elfen, die stets ihrer eigenen Grille treu und zugeneigt gewesen, so bezirzt ward, dass sie sich sehr vernarrte in den holden Sänger. Doch als der Morgen kam, verstummte die Grille und zog fort mit dem Händler, denn bleiben konnte eine Grille nur, wenn es keine andere Grille neben ihr gab und der Händler sie freigegeben hatte.

Seit dieser Zeit war die Elfe hin- und hergerissen zwischen den beiden Frohlockern. So lauschte sie weiterhin den Gesängen ihrer alten Grille, aber im Kopf saß die andere Grille, die weit fort von ihr ihre süßen Weisen sang, die das Herz der Elfe vor Sehnsucht anschwellen ließen und die die Elfe im Geiste in andere Länder entführten.

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Wissenskuss

Wir wollen Wissen.
Alles, in mundgerechte Stücke verpackt, um den Kopfhunger zu stillen, den Denkdurst zu löschen.
Wissen wollen wir.
Alles, was ist, will von uns gewusst werden. Es gibt so vieles zu wissen, zu vieles gibt es, was gewusst werden könnte.
Wollen wir Wissen?
Alles, was es zu wissen gibt auf dieser Welt und darüber hinaus, lesbar, hörbar, erlebbar gemacht via virtuellem Gedächtnis, dem Netz, dem Wissennetz.

Wir Wissen wollen. Weiterlesen

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Lumi { Schnee }

Weiß wahrhaftig, sanft und saftig.
Weiß wunderbar, hold und heftig.

Weiß wie wild, zart und zaghaft.
Weiß wie wohlig, gelinde und glaubhaft.

Weiß winterlich, bunt und begehrlich.
Weiß wahnsinnig, giftig und gefährlich.

Weiß wie weltlich, mild und massig.
Weiß wie wattig, feinsinnig und flüssig.

Weiß wohin? Dahin, darüber.
Weiß warum? Darum, drum.

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Modeworte

In meinem atemberaubenden Abendkleid stöckelte ich auf purpurnen Pumps, die quirligen Quasten meiner herzförmigen Handtasche schwingend, zum Festempfang. Eine Frau in chromfarbenen Cocktaildress nahm die dunkelblaue Daunenjacke meines Begleiters entgegen, der einen eleganten Einreiher passend zum Anlass gewählt hatte. Etwas altmodisch hingegen wirkte der Gastgeber mit flinkem Frack und munterer Melone bekleidet, andere Herren zeigten sich heute in yasminduftenden Yachtanzügen und zückten zierliche Zylinder vor den Damen.

Zu gegebener Stunde wurde die geladene Menschenmenge etwas legerer, es tauchten Dämchen in bunten Ballonröcken auf, mit gigantischen Gürteln und knieüberlangen Kniestrümpfen oder leichtgrauen Leggins. Manche hatten auch rote Ringelsöcken übergezogen, die in samtenen Stiefeletten steckten, andere hatten sich mit oszillierenden Ohrenwärmern, winterlichen Wollschals und violetten Vliespullovern angetan. Und dann war da noch eine, die ganz aus dem festlichen Rahmen fallen wollte: Über der jugendlichen Jeanshose hatte sie ihre ulkige Unterwäsche gezogen, über ihrem trolligen T-Shirt trug sie ein x-nix XS-Leibchen und ein fast nichtsichtbares Nachthemd, und in die Augen schauen konnte ihr keiner, denn diese verdeckte sie mit einer illustren iWear.

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ZEITraffer

Jedes 4. Wort zählt. Inspiriert durch einen Artikel aus ZEIT Wissen vom 8. Oktober 2009, S. 37 “Fußballkunst auf Plastikgrün”.

die Moskauer wird Abschied. Die den offiziell sein den Welt Gummigranulat auf ist. In keine sondern Deutschland auf die Nachbarn der FC Arena die im mussten die Natur legen Gärtner WM noch. Aber den aus Komponenten den haben die und natürlichen der heute gespielt Fifa in auf. Anfänglich Löw gegen komplett zur Team einem dem und Hersteller Löw entgegen neuesten mit ähnlich Studie Sporthochschule Schluss gepflegte Spiel der zu ist. Simon die läuft Teppich Profi sah aus mit. Dem Schmirgelpapier Halme hinterließen Schürfwunden einfach. Die harte Nylon aus. Heute lang den Füllmaterial Schicht schonen und verändert. Der sagt extrem an allem haben Rumpelfußballern der Koordination begründet in Laufverhalten und Balles ausgemacht, sind Zentimeter ein den aus darunter. Damit Natur Fifa erstellt aus auf künstlichen 60 85. Auch der exakt Rolfes ein 2007 mitten. Damals auf herrschten Naturrasen hätte spielen konnte Trends die ihr in aber auf 3,5 Millionen jedes westfälischen knüpfen Polyethylen zusammen Ingenieure, Produktmanager Söll auch. Ihm Fußballrasen die künstliche gut, dass Verletzungsrisiko Umfrage zehn ab Hauptgrund Verletzungen, dass immer ist gibt, warnen und zwischen auch. Bewiesen praktischen fast. Während Trainingsstunden sind möglich der sondern gereinigt der Trainingszwecken wie und oder Bundesligaspiele. Eine Stadien hohen Spielfeldrand überdacht kann Urkraft ins weht Rasen Frischluft wie lösen sie neuen 04 die Lichtdosen nach Rollen ein das bloß DFB dennoch. Dabei der Materialien in an heute Polyestertrikots beschichtete Aluminium nur der schmutzig zu, dass Dreck fliegt paar Wunder strikt 80 der man. Sogar dezent von Simon nicht den. Nichts als merken besser Winter scheint’s ein den braucht auch der die Kunstboden Duft Söll. Wir auch lassen das.

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Mach(T)en

“Die Selbstsucht ist die Wurzel aller anderen Verderbtheit.”
Johann Gottlieb Fichte, (1762 – 1814), deutscher Theologe und Philosoph
Quelle : »Reden an die deutsche Nation«, 1808

“Entscheidend ist nicht die Frage, ob man Macht hat, entscheidend ist die Frage, wie man mit ihr umgeht.”
Alfred Herrhausen (1930-89), dt. Bankier, Vorstandsspr. Dt. Bank

Kommt Macht von machen? In Wikipedia steht dazu “Im Althochdeutschen, Altslawischen und Gotischen bedeutete das Wort Macht soviel wie Können, Fähigkeit, Vermögen.”

Machen jedoch heißt nicht können heißt also wiederum, dass der ähnlich klingende Wortlaut nicht zwingend zusammenhängend ist. Hier seien drei thematische Extreme und zugleich stellvertretende Beispiele beschrieben, die den Unterschied in der Bedeutung hinreichend bis genügend darzustellen vermögen:
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Anderssommerliebe

Nicht so schüchtern. Sagt Er zu Ihr.
Sie senkt den Blick, einen Bruchteil nur, dann schlägt Sie die Augen auf.
Schön wäre es. Sagt Sie zu Ihm.
Sie liegen im lichtergrünen Gras, sonnenbeschienen und himmelblau, Er pflückt eine weiße Lindenpolle aus Ihrer glänzendbraunenen Haarsträhne und reicht Ihr eine dottergelbe Butterblume.

Für Dich würde ich alle Wiesenblumen der Welt einmal sammeln. Sagt Er zu Ihr.
Sie schnuppert an dem Blütenkelch, ein paar Nanosekunden nur, dann streichen Ihre Fingerkuppen über Grashalme.
Es duftet so gut überall. Sagt Sie zu ihm.
Sie sitzen im saftiggrünen Gras, sommerlich warm und laublau, Er fängt einen roten Dreipunkt-Marienkäfer und setzt ihn auf Ihre bronzefarbene Hand.
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Wenn das Leben Dir einen Streich spielt

Im zarten Alter von 8 Jahren hatte Lukas bereits den Ruf, ein Junge mit einem ganz besonderen Talent zu sein. Er konnte seine Klassenkameraden zu immer neuen Lausbubentaten überreden, ohne dass er selbst als Anstifter in Erscheinung hätte treten müssen. Erwischt wurden immer nur seine Kumpels, die ganz unbedarft das ausführten, was er ihnen in geheimer Runde befehligte. So wurde Martin dabei ertappt, als er der ungeliebten Banknachbarin von Lukas Zahnpasta auf das Pausenbrot schmierte. Besagte Schülerin hatte Lukas mehrfach einen Esel vor versammelter Klasse genannt, und Martin musste ihr nach seiner “Schandtat” eine Woche lang blankpolierte Äpfel mitbringen. Nicht besser erging es Heinrich, der der Klassenlehrerin einen Eimer Flüssigkeit über dem Kopf ausleerte – aus dem ersten Stock des Gebäudes wohlgemerkt. Der strenge Geruch, dem der Lehrerin für den Rest des Tages anhaftete war es wohl, der Heinrich einen saftigen Eintrag ins Klassenbuch und einen blauen Brief an die Eltern bescherte. Die Lehrerin hatte einige Tage zuvor Lukas eine Strafarbeit aufgebrummt, weil er den Unterricht durch permanent lautes Reden gestört hatte.
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Zum Zitat notiert

Per Zufallsklick durch den Zitatewald und nach Kategorie wie auch Autor sortiert, zur Schau gestellt und versuchsweise Kommentare zu weisen Worte und wortbildernen Allegorien gebildet. Heute zu Gast:

“Und ich erzog mir die Sprache zum Bösewicht.”
Herbert Achternbusch (*1938), dt. Filmemacher u. Schriftsteller

Verletzende Worte, spitze Zunge, ätzende Sätze, vergifteter Tonfall. Die Sprache als ausführendes Organ der bösen Macht, tötet wie ein pfeilschnelles Präzisionsgewehr auf den Buchstaben genau. Vor der Bluttat steht der Befehl. Jeden Tag ein hinterhältiger Meuchelmord. Üble Nachredefetzen wabern aus der Gerüchteküche und würgen an der Würde des im Gespräch Gemeinten. Manipulation der Massen mittels propagandagesteuerten Reden an die Nation. Ein Wort – ein Dolchstoss – ein gesellschaftlicher Untergang.

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