Auslese

Wider den tierischen Ernst

Der Erpel Ernst machte seinem Namen alle Ehre, als er widerspenstig seiner Zähmung mit allem ihm gebotenen Ernst entgegenblickte. Der sonst so lustige Vogel, der er war, wollte sich nicht schnabelzahm der Brotkrummen säenden Meute ergeben. Also zog Ernst wider seinen Sachern der Logik letzter Schluss als er durch einen provozierten Schuss in Brust und Bein durch Schrot und Korn im Schilf danieder gestreckt wurde.
Den Braten hat der Erpel Ernst den widerlichen Lockvögeln dann noch gründlich versauert – denn mit bierernster Mine flog er kurz vor seinem diesseitigen Ableben über den singenden Röhricht hinweg, die Brust stolz geschwellt und Aug in Aug mit Gevatter Tod, der ihm als eine Taubenbrut erschien – das kann nur, ja muss gar ein zähfasriges Stück Keule ergeben haben. Auch mit den Federn des Entenviehs konnte der hochmütige Vogelmörder nichts Rechtes mehr anfangen, war diese einstmals farbenfrohe Pracht durch das Schießpulver gänzlich zerrupft und schwarzgeblasen.
Und so schnattatert der Erpel Ernst jetzt im jenseitigen Dasein und lacht sich ins Schnäbelchen. Wider den tierischen Ernst, wider den Hochmut.

Standard
Auslese

Bildhübsch

Blaulaugeläutertes Gehen über poliertes Holz. Grüngras soweit das Auge sieht bis zum mitten im leeren Raum stehenden Dom. Schwarzbraune Puppenschuhe klappern steppend auf den Planken, dazu Plingkling wie Wasserperlentropfen den Weg rauf und runter. Buntgesprühtes Mauerngrau begrenzen dieses Stück unsichtbaren Schlosses an drei der Seiten. Links oben unter Riesenfrauenbildern mit Riesentoupierthaarprachten Steinhaufenweise, eingezäunt und nicht betretbar für Unbefugte.

Blaukaltgeatmetes Anlitz in die Sonne recken, erste Frühjahresboten oder optische Täuschung nur? Beschwingten Schrittes über den Platz, der keiner ist, hüpfen, sich hüten von der Linie abweichend übertretend zu sein. Goldtag heute, Prunkort im Gleisendlicht. Und ich laufe durch das Bild der Stadt, ich bin im Bild mit drin, hänge im Museum da gegenüber, werde betrachtet, beachtet. Wo ist?

Und weiter tragen uns die Lustwandlungen dorthin, wo die Weite der Mitte sich eng verschlingt, Häuserfronten tief über uns hängen. Der Himmel ein blauschmales Band, er dunkelt nach, Eis fährt in die Warmglieder, Kaffeeschokolade mit Apfelingwer tut Not für den, der heiß im Inneren sein will und muss. Ein schöner Tag, ein Tag im Bild vom Bild meiner Stadt. Ein Tag wie Zuckerwatte.

Standard
Auslese

Still Innen, Draußendrinnen

Manchmal finde ich es ganz schön, einfach nur aus dem Fenster zu schauen, während die stille Welt vorbeifährt. Ich bewege mich nicht, aber Häuser, Straßen, Äcker und Wälder ziehen weiter, unermüdlich ändern sie ihr Gesicht, sie streben in einer Richtung hinfort und bleiben doch gleichförmig und stets wiedererkennbar.

Ich lese Worte auf mit meinem Blick nach draußen. Worte, die Teil der agilen Außenwelt sind, die so stumm und weiß und kalt und kahl und eisig und einsam und grau und nebelig und blattlos und ruinenhaft an meinem Auge vorüber gleitet.

Schlüchtern
Dreiturm
Werke
Brühltrans
Spielparadies
Blumen
Natursteine
Wirtheim
Siege
Entwicklung
Nagerglück
Fussball
Gute Musik
Stolz
Perfekt
Herrlich
Traum
Liebe


Und während das Draußen in mein Innen fließt, spricht mein Kopf zum Herzen hin:
Abseilen. Ende der Spontanität.

Standard
Auslese

Annäherungsweise

Die Sequenz einer Annäherung speist sich vor allem aus der sukzessiven Erhöhung der Wiedersehensfrequenz in Kombination mit regelmäßiger Kommunikation über alle aktuell verfügbaren Kanäle im analogen und digitalen Bereich. Je intensiver die Impulse der Annäherung ausschlagen, umso feinstofflicher die Wirkung auf die chemische Verbindung zwischen zwei menschlichen Molekülen. Die Verringerung der Dichte wie auch der Distanz in Zeit und Raum ist ebenso eine logische Folge der Annäherung wie die kontinuierliche Zunahme und die damit einhergehende Lautstärke an Herzschlägen pro Minute. Bei erfolgreicher Annäherung entsteht eine feste Legierung, deren Aggregatzustand sich jedoch in flüssig bis gasförmig verwandeln kann – abhängig von der Temperatur der durch die Annäherung entzündeten Leiden- sowie Liebschaft.

Standard
Auslese

Anziehenz

°
Teil I – 4
So Sommer wie Winter

Wie wonnig, sagt Selbstsonne
So sonnig, weiß Weltenwanderer
So wonnig, wie sonnig
So wonnig, wenn sonnig

Sonne sei samtig
Sonne, senfgelb
Sonne sei sanft

Wonne wo Wanne
Wanne, warmrot
Wonne wie wohlig

Wilde Wonnen
Sehnsüchtiges Sonnen
Wie warm, sagt Selbstsonne
So schön, weiß Weltenwanderer

°°
Teil II – 3
Wortsatz, simultanweise
Weiterlesen

Standard
Auslese

Drops & Weizen

Es klackert in der kleinen Blechdose, lila-weiß-marmorierte Perlen rollen klingend an den Deckel, aus der ovalen Öffnung fallen sie und kullern bunt herum, ohne eine Duftwolke zu versprühen. Die kühlen Bonbons springen in meinen rosigen Mund. Auf der Zunge gelandet, zerfließen sahnig-süß die kleinen Pastillen und geben ihr fliederweiches Aroma frei. Mein Atem jubelt, ich hauche Drops aus.

Meine gebräunte Hand greift nach dem eisgekühlten Glas. Goldflüssig prickelnd schwappt Flüssigkeit über den Rand, knallgelb eine halbe Zitronenscheibe auf der Oberfläche wankend, der Frische wegen hinzugefügt und ohne weitere geschmackliche Bedeutung. Das klare Getränk läuft in meinen durstigen Mund. Auf der Zunge eine Welle schlagend, knospen Tropfen des Gerstensafts und geben ihren hopfenherben Genuß frei. Meine Kehle tiriliert, ich seufze Weizen aus.
Weiterlesen

Standard
Auslese

Brust, weiblich

Praktikabel in der Verwendung, formschönes Design und mitunter hinreizend emotional.

Einsetzbar als:
°Bonboniere
°Nahrungsaufnahmequelle
°Trostpflaster
°Hinschauer
°Ablenker
°Lichtstrahl
°Schultertaschenentlaster
°Spielplatzersatz
°Wärmkissen
°Muse
°Wunscherfüllerin
°Ablenkungsmanöver
°Nippe|l|s
°Geschichtsschreiberin
°Stilikone
°Provokateurin
°Gelegenheitsgeschenk
°Ballsportart
°Zwilling
°Goldgrube
°Streich|el|konzert
°Kuscheltier
°Wundertüte
°Lockmittel
°Philosophie

Was noch?

Standard